Neuigkeiten: Mord an Bord.


Alles auf blau

 

An dem Tag, als klar wurde, dass es so nicht mehr weitergeht, duftete es im Auto nach frisch gebackenem Käsekuchen. Ich war auf dem Weg in die Redaktion. Ankommen sollte ich dort nicht. Nicht an diesem Tag und auch nicht in den kommenden Wochen und Monaten. An einer Kreuzung sprang die Ampel auf Rot. Das Herz raste, auf der Stirn bildeten sich Schweißperlen. Ich hatte das Gefühl, umzukippen. Dabei saß ich ja. Das Blickfeld war eingeengt. Die Geräuschkulisse des morgendlichen Wahnsinns auf den Straßen war ohrenbetäubend und stumm zugleich. Dumpf und hässlich. Und dann war da diese Sperre im Kopf, wie eine unendlich hohe Mauer, direkt vor mir. Ich setzte den Blinker, verließ den Weg, der zur Arbeit führte, und fuhr geradewegs zum Arzt. Es war ein Montag Mitte November 2017. 

 

An diesem Montag wurde mir klar, dass sich etwas ändern muss. Dass ich mich ändern muss. 

 

Um die Vorgeschichte kurz zu machen: Ich mache blau. Schluss mit dem Job, Schluss mit Berlin. Festanstellung gekündigt, Wohnung verkauft. Und weil das Meer in Deutschland mehr grau als blau ist, werde ich ans Mittelmeer übersiedeln. Oder konkreter: auf das Mittelmeer. Blauwassersegeln. Es zieht mich in die Türkei. Ein Land, das ich trotz aller Turbulenzen seit mehr als 25 Jahren in mein Herz geschlossen habe. Und das ich für eines, wenn nicht das beste Segelrevier im Mittelmeer halte. Nette Menschen, hübsche Orte, einsame Buchten und kristallklares Wasser. 

 

Ich habe Haus gegen Segelboot getauscht. Nicht einen Tag habe ich seitdem meinen Entschluss bereut.

 

 

Bis dahin

Jens

 

 


als Wirtschaftsjournalist,

August 2018

als Segler,

August 2019


Das bin ich

Jens Brambusch, geboren 1972 in Düsseldorf und aufgewachsen im beschaulichen Celle in der Lüneburger Heide, ist (beziehungsweise: war) im Hauptberuf Journalist. Das Fernweh trieb ihn während seines Studiums der Islamwissenschaften und Arabistik immer wieder an exotische Orte. Er studierte in Ramallah (Palästina), Izmir (Türkei) und sogar in Würzburg (Bayern), schrieb währenddessen für diverse nationale und internationale Medien.

 

Nach dem Volontariat bei der Regionalzeitung Main-Post und reichlich Erfahrung in der Kleintierzüchter- und Feuwerwehrberichterstattungsszene schlich er sich Anfang 2005 bei der ‚Financial Times Deutschland‘ (FTD) als Blattmacher für das Politikressort ein. Später kümmerte er sich als  Seite-1-Redakteur um die Titelseite der FTD. Da das Dasein als eine Art Schaufensterdekorateur für eine Tageszeitung zwar interessant, aber auf Dauer nicht befriedigend war, wechselte er 2008 in das Reporterteam. Sein Schwerpunkt: Wirtschaftskriminalität. Nach dem Aus der FTD Ende 2012 zog er mit der Redaktion des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ von der Elbe an die Spree, wurde dort aber nie richtig heimisch. Das Meer war einfach zu weit entfernt. 

 

Brambuschs Reportagen wurden für den Deutschen Journalistenpreis (2012 und 2017), den Ernst-Schneider-Preis (2017) oder den Medienpreis Mittelstand (2018) nominiert. 2014 gewann er den Deutschen Wirtschaftsfilmpreis mit dem WDR-Team von Plusminus und 2016 den Medienpreis Luft- und Raumfahrt. Seit 2015 ist er Mitglied der Jury „Investigativ“ beim Nannen-Preis. 

 

Privat liebt Brambusch das Wasser. Als Jugendlicher ruderte er täglich, war Deutscher Meister im Leichtgewichtsvierer und Leichtgewichtsachter. Jetzt, da er schwerer ist, segelt er lieber. Zur Entspannung auf dem Müggelsee oder besser noch: auf dem Mittelmeer. Die Begeisterung für das Segeln ist angeboren. Schon als Kind schleppten ihn seine Eltern jede Ferien und jedes Wochenende auf das Familienboot. Mit 16 Jahren machte er die ersten Sportbootführerscheine, um fortan selbst mit Freunden segeln zu gehen. Dass dabei das Familienboot mehrmals Schaden nahm, ist natürlich nur dem jugendlichen Leichtsinn zuzuschreiben.

 

Wenn er Action sucht, steigt er in seinen Strandsegelwagen und brettert mit über 100 Stundenkilometern über die Sandbank von Sankt Peter-Ording. Beim Yachtclub Sankt Peter-Ording ist er seit Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In den vergangenen Jahren hat er sich mehrfach für Europa- und Weltmeisterschaften qualifiziert, was weniger seinem Talent geschuldet ist, als der zahlenmäßig überschaubaren Konkurrenz in Deutschland. International treibt er das Feld dann erbarmungslos vor sich her und ruht sich auf dem olympischen Gedanken aus. 

  

Brambusch, kinderlos und ungebunden, lebte zuletzt in Hamburg und in Berlin. Und seit Oktober 2018 in der Türkei.