Wir waren Fremde. Gestrandete an einem fernen Ort. Segler aus aller Welt, Aussteiger von fünf Kontinenten. Australier, Briten, Amerikaner, Südafrikaner, Deutsche - und natürlich Türken. So verschieden wir auch sind, so sehr sich unsere Lebensgeschichten unterscheiden, ob wohlhabend oder knapp bei Kasse, ob ledig oder liiert, ob erfolgreicher Unternehmer oder frustrierter Angestellter, wir alle haben eines gemeinsam: Wir leben unseren Traum

 

Wir leben auf einem Segelboot.

 

Wir haben unser altes Leben hinter uns gelassen,  den Ballast der Vergangenheit erst über Bord geworfen - um dann an Bord zu ziehen. Für immer. Oder zumindest die nächsten Jahre. Keiner weiß, wohin der Wind uns treiben wird, wo wir in einem oder auch zehn Jahren seien werden. Die einen wollen um die Welt segeln, die anderen haben den halben Globus bereits umrundet. Für manche bedeutet das Mittelmeer ihre ganze Welt. Andere finden sie an einem einzigen Ort. 

 

Jeder von uns stand irgendwann an dieser Weggabelung des Schicksals, an der er sich entscheiden musste: Weiterfahren auf der Autobahn des Lebens, immer geradeaus in Richtung Rente. Rasen, um ans Ziel zu kommen. Immer konzentriert, immer Vollgas. Jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag der gleiche Wahnsinn, die gleichen Meetings, die gleichen Aufgaben, die gleichen Tabellen. Der immer selbe Stau. Derselbe Frust. Der zehrende Stress.

 

Oder abbiegen? Runter von der Autobahn, auf diesen unbefestigten Weg, diese wunderschöne Allee mit den prächtigen Bäumen, von der man nicht weiß, wo sie enden wird. Die voller Schlaglöcher ist, so dass man nicht rasen kann, aber dafür ein Auge hat auf die unberührte Natur. An der Menschen wohnen, Tiere die Fahrbahn kreuzen. An der hinter der nächsten  Kurve schon das nächste Abenteuer warten kann. Oder ein gigantischer Ausblick. Oder die nächste Party. Diese Straße ist unberechenbar. Aber sie ist voller Lebensfreude.

 

Wir waren Träumer. Jeder von uns träumte davon, abzubiegen auf diese verwunschene Straße, sehnte sich nach einem neuen, einem anderen Leben. Die einen waren zutiefst gelangweilt, die anderen krankhaft gestresst. Oder einfach nur abenteuerlustig.

 

Jeder von uns erinnert sich noch genau an diesen einen Tag, an dem er aufstand, der Kopf voll mit den Bildern der Nacht von kristallklarem Wasser, vollen Segeln und weißen Stränden. Die Gedanken schwer von einer unbeschreiblichen Sehnsucht nach Leichtigkeit. So wie an vielen anderen Tagen auch. Nur an diesem Tag sollte sich etwas ändern. Aus dem Traum sollte Realität werden, endlich der Entschluss fallen, dem Alltag Adieu zu sagen, das Hamsterrad zu verlassen. Aussteigen aus dem alten Leben und eintauchen in eine neue Welt. Bei jedem von uns waren die Beweggründe für diesen Schritt andere. Von diesem Prozess, den jeder von uns durchmachte, erzählt dieses Buch. 

 

Es ist ein Buch über Segler. Aber dennoch ist es kein Segelbuch im eigentlichen Sinn. Es handelt nicht von Salzwasser gegerbten Haudegen, die Kap Hoorn umrundet haben. Oder von Helden im Sturm. Auch nicht von Monsterwellen. Und schon gar nicht geht es darum, wer der beste oder der erfahrenste Segler ist, wer die meisten Seemeilen gefressen hat. Die ‚Kenn ich, weiß ich, war ich schon-Typen‘, die in so vielen Häfen ihre Heldentaten feiern, bei denen in jeder Erzählung die Wellen einen Meter höher werden und der Sturm um mindestens eine Windstärke zulegt, kommen in diesem Buch nicht vor.

 

„Träum weiter“ erzählt die Geschichten hinter den Seglern. Die Vorgeschichten zu dem Moment, der das Leben verändert hat. Mal tragisch, mal komisch, aber immer ehrlich. Das Buch handelt von Abwägungen, Skepsis, Liebe, Mut. Von Schicksalen. Von Menschen mit Brüchen im Leben. Das macht sie so interessant. Sie haben sich nicht ihrem vermeintlichen Los ergeben, sondern es in die Hand genommen. „Träum weiter“ soll nicht bedeuten, weiterhin zu träumen. Vielmehr geht es darum, den Traum zum Leben zu erwecken. Ihn größer zu machen. Ihn „weiter“ zu stecken.

 

Das Buch soll Fragezeichen gerade ziehen bis Ausrufezeichen entstehen. Traumdeuter sein, Helfer und Ratgeber zugleich. Angst nehmen vor dem Ungewissen. Die kindliche Neugierde auf alles Neue und Fremde in uns wieder zum Leben erwecken. Vor allem aber soll das Buch eines machen: Mut auf ein neues Kapitel im Leben. Lust, auf das Leben. 

 

Wir wurden Freunde. Wir haben Weihnachten zusammen gefeiert und in das neue Jahr getanzt. Fern der Heimat, aber ohne Heimweh. Wenn die Winterstürme Wellen in den Hafen peitschten, Orkanböen an den Booten zerrten, Biminis zerfetzten, die Festmacher vor Spannung kreischten, der Regen auf das Deck prasselte, so dass es sich anhörte, als marschiere eine halbe Armee im Stechschritt über das Boot, dann kauerten wir oft zusammen, kochten, zählten die Abstände zwischen den Blitzen und dem Donner, tranken, wärmten uns an Heizstrahlern und an den Geschichten der anderen.

 

Wir alle führen ein ähnliches Leben. Sind ausgestiegen aus dem Alltag, haben unser altes Leben hinter uns gelassen. Einige segeln seit Kindesbeinen an, andere kauften ein Boot, ohne jemals zuvor gesegelt zu sein. An diesen langen und kalten Winterabenden erzählten wir uns unsere Geschichten. Wie es dazu kam, dass wir jetzt hier sind, an diesem fremden, wunderschönen Ort. Und nächstes Jahr vielleicht schon am anderen Ende der Welt. 

 

Jeder Leser dürfte sich in der einen oder der anderen Situation wiederfinden. Und wenn das Buch dazu führt, dass auch nur eine Person inspiriert wird, das Leben zu ändern, dann hat es seinen Sinn erfüllt. Egal, ob die Reise auf die See führt oder in ein Haus am See.

 

 

Träum weiter! 

 

 

 

 

 

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Inhalt

Da sind Aannsha und Barry, zwei Australier, die eine bewegte Liebesgeschichte verbindet. Mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll einerseits, spirituellen Erfahrungen andererseits. Sie mussten sich erst trennen, um zwölf Jahre später wieder zueinander zu finden. Als ihr Sohn erwachsen ist, packt sie das Fernweh. Sie verkaufen Haus und Hof, alles, was sie besitzen, um fortan die Weltmeere zu befahren. Die Sache hat nur einen Haken: Sie sind noch nie gesegelt. Und Geld haben sie eigentlich auch keins. 


Da ist Ismail, ein junger Türke, der nach den Gezi-Protesten 2013 verhaftet und verurteilt wurde. Frustriert von der Politik in seiner Heimat, verlässt er Istanbul. Die Freiheit, nach der er sich sehnt, sucht er aber nicht im Ausland, wie viele andere Türken. Sondern auf einem Segelboot. Einer der besten türkischen Regattasegler bringt ihm alles bei, was er auf See können muss. Seitdem lebt Ismail als digitaler Nomade auf seiner „Wanda“. 


Da sind Claire und Zac. Sie stammt aus Australien, er aus Alaska. In Florida lernen sie sich kennen und lieben. Claire will ihren neuen Freund den Eltern in der Heimat vorstellen. Doch der Flug ist viel zu teuer. Also kaufen die beiden eine 40 Jahre alte Yacht, päppeln sie auf und stechen in See. Ziel: Australien. Spontan ändern sie aber den Kurs, überqueren zunächst den Atlantik und landen in Europa. Der Grund: Sie sind zu einer Hochzeit eingeladen.


Da ist Mark, ein Südafrikaner, der sich nach dem Tod seines Vaters entschließt, das Familienunternehmen seinem jüngeren Bruder zu überlassen. Schon lange fühlt er sich an den Rand gedrängt, hat fünf Jahre als Anhänger der Hare Krishna in Indien meditiert. Er beschliesst, auf das Segelboot seines verstorbenen Vaters zu ziehen. In dem Moment, als er die Leinen loswirft, bemerkt er, dass er bereits angekommen ist. „Gülen amca“ nennen ihn die Türken jetzt: den Onkel mit dem Lächeln.


Da ist Jim, ein passionierter Aktfotograf. Seine Nacktbilder versteht er als Tribut an Gott, den er glaubt gespürt zu haben, da diente er noch in der Royal Air Force. Trotz vieler privater, beruflicher und gesundheitlicher Tiefschläge hat der Brite in Schottland eine florierende Firma aufgebaut. In einem Anflug von Paranoia befürchtet er aber, er habe gegen US-Export-Regeln verstoßen. Und wähnt sich mit einem Fuß im Knast. Er bereitet seine Flucht auf die Kapverden vor - mit einem Segelschiff. Ein Entschluss, der sein Leben verändern wird. 


Da sind Mike und Elaine. Zwanzig Jahre schuftet er auf Montage, um sich seinen großen Traum von der Weltumseglung zu ermöglichen. In Elaine findet er eine Partnerin, die ihn unterstützt. Doch seit die beiden Briten ihre „Spicy Lady“ vor sieben Jahren gekauft haben, haben sie die türkischen Gewässer kaum verlassen. Zumindest nicht auf ihrem eigenen Boot. Um ihren Traum von der Weltumseglung eines Tages doch noch in die Realität umzusetzen, überführen die beiden Yachten im Mittelmeer. So können sie sich finanziell über Wasser halten.  


Und dann bin da noch ich, Jens, ein ehemaliger Wirtschaftsjournalist. Der Traum, auf einem Schiff zu leben, reifte wohl schon lange in mir. Aber erst ein satter Burnout mit Angstzuständen machte mir klar, dass ich mein Leben radikal ändern muss. Ich war ein Gefangener in meiner eigenen Wohnung, die Wärter saßen in meinem Kopf. Um mich zu erden, ging ich aufs Wasser. Ich verkaufte meine Wohnung, kündigte den Job, den ich mal liebte, kehrte Deutschland den Rücken - und zog auf ein Segelboot. Das war Mitte 2018. 


In der Phase der Lethargie entdeckte ich die Videos der „SV Delos“. Die Truppe um die amerikanischen Trautman-Brüder segelt seit knapp zehn Jahren um die Welt. Ich war begeistert. Eine meiner letzten Reportagen schrieb ich dann über das „Lifestyle-Business“ der „Delos“. Selbst für ein Wirtschaftsmagazin war das interessant. Und weil die Crew nicht nur mich zu meinem neuen Leben inspirierte, sondern auch andere unserer Aussteiger-Gruppe, erscheinen sie in diesem Buch. Quasi als Bonus-Kapitel. 



Warum eigenverlag?

Einen Tod muss man sterben. Und ich hoffe, es ist nicht der Tod der kleinen Buchläden, die so viel charmanter, wertvoller und fachkundiger sind, als der Riese aus dem Internet. Wenn man aber ein Buch im Eigenverlag veröffentlichen will, dann kommt man an Amazon kaum vorbei. 

 

Die Idee zu diesem Buch entstand spontan. Anfang März. Ich lag noch im Bett und dachte an die tollen Geschichten der neuen Freunde, die ich gefunden hatte. Wem immer ich auch nur ein bisschen davon erzählte, der war wie elektrisiert von den Schicksalen, von den Menschen und dem Mut, aus dem alten Leben auszusteigen, um ein neues auf dem Wasser zu beginnen. Aber die Zeit drängte. Einige von uns würden schon bald aufbrechen, um die Reise um die Welt oder auch nur die nächste Bucht anzutreten. Aber jeder, den ich fragte, war begeistert von der Idee, ein Buch über Segler zu schreiben, in dem es aber weniger um Segeln geht, sondern viel mehr um den Prozess, der dem Ausstieg vorangegangen ist. Auch wenn sie dafür die Hosen runter lassen müssen.

 

Das Buch ist eine Art Gemeinschaftsprojekt. Jim hat die meisten der Fotos gemacht, Aannsha und Barry werden den Text ins Englische übersetzen, damit das Buch auch in ihrer Heimat gelesen werden kann. Merten, der zu Besuch kam, um zu segeln, aber dann nur auf einem Boot lebte, das wegen Reparaturen aufgebockt am Land stand, nahm sich der Gestaltung an. Vielen Dank. an alle Beteiligten. 

 

Da jeder, der an diesem Buch mitgewirkt hat oder darin vorkommt, heiß darauf ist, das Produkt in der Hand zu halten, haben wir uns für den Selbstverlag entschieden. Wären wir den normalen Weg über Agenten und Verlage gegangen, dann hätten vielleicht einige die Welt bereits umrundet, bevor das Buch erscheint. Die Erfahrung hat das gelehrt. Darum der Selbstverlag.