Brambusch macht blau ist das Buch zum gleichnamigen Blog. Nach einem Burnout beschließt der Autor, sein Leben radikal zu ändern. Der Journalist macht blau. Mit 46 Jahren kündigt er seinen Job, verkauft seine Wohnung und zieht auf ein 30 Jahre altes Segelboot in der Türkei - die Dilly-Dally. Alles, was er mitnimmt, passt in einen Seesack. Anfang Oktober 2018 sitzt er im Flieger, in der Hand ein One-Way-Ticket in sein neues Leben. Kann das gutgehen? Sein Plan ist, keinen Plan zu haben. Vielmehr will der begeisterte Segler erst einmal ankommen, testen, ob ihm das Leben auf einem Boot überhaupt bekommt. Nach eineinhalb Jahren auf See kann er getrost sagen: Alles richtig gemacht. In amüsanten wie nachdenklichen Anekdoten schildert Brambusch seinen Alltag an Bord, berichtet von Missgeschicken und herrlichen Momenten, gibt Ein- und Überblicke. Das Buch soll Inspiration, Ideengeber und Leitfaden für all diejenigen sein, die sich mit dem Gedanken tragen, mehr aus ihrem Leben zu machen - wo sonst, als auf dem Meer! 

 

Auszug aus dem Vorwort:

 

Die Farbe Blau symbolisiert Ferne, Sehnsucht und Klarheit. Blau beruhigt, wirkt ausgleichend und mäßigend. Blau steht für Treue. Für Harmonie, Sympathie und Zufriedenheit. Aber auch für Melancholie: ‚to feel blue‘ sagen die Briten, wenn sie traurig sind. Auch der Blues leitet sich von Blau ab. Blau ist die Farbe des Himmels, blau ist das Meer.

Ich mache blau. Auch wenn diese Redewendung nichts mit dem Meer, dem Himmel oder der Sehnsucht nach Ferne zu tun hat, passt sie hervorragend auf meine Situation. ‚Blau machen‘ kommt vom ‚blauen Montag‘ der Färber, die ihre Stoffe am Sonntag in Farbe einlegten. Alles, was sie am Montag zu tun hatten, war, die nun gefärbte Wolle aus dem Bad zu nehmen und sie an der Luft zu trocknen. Danach hatten die Färber frei. Sie machten blau. So wie ich. Nur mit einem Unterschied: Bei mir ist jeder Tag ein Montag. 

Nach einem Burnout habe ich meinen Job in Deutschland gekündigt, die Wohnung verkauft, bin ausgewandert. Seit nunmehr eineinhalb Jahren lebe ich auf einem Segelboot. Und weil das Meer in Deutschland mehr grau als blau ist, lebe ich am Mittelmeer. Oder genauer gesagt: auf dem Mittelmeer, auf einer 30 Jahre alten Moody 425. Der Dilly-Dally. 

Die See ist Balsam für die Seele. Die Schreie der Möwen, das Rauschen der Wellen, das Pfeifen des Windes in den Wanten. Dazu die endlose Weite, über wie unter dem Horizont, gezeichnet in allen Schattierungen von Blau. Selbst das Klappern der Fallen am Mast kann etwas Romantisches haben. So zumindest das verklärte Klischee.

Ab 30 Knoten Wind ist es nur noch nervig. Aber noch lange nicht so nervig wie das stete Bäng, Bäng, Bäng, das seit Herbst wie niemals verstummende Kirchenglocken aus dem Mast einer Oceanis 40 hallt. Vorbildlich hat der Eigner sein Rollgroß ins Winterlager gebracht. Natürlich bei Flaute. Nichts klapperte. Als dann die ersten Winterwinde über den Hafen im türkischen Kaş herfielen, begann das apokalyptische Läuten, das Mark, einen südafrikanischen Segler, der direkt neben der Oceanis liegt, fast in den Wahnsinn trieb. Ohne das dämmende Segeltuch im Mast mutierte die schwingende Nut samt Fallschlitten zum Kirchturmklöppel. „Bauschaum!“, schnaubte der genervte Südafrikaner, als er eines Morgens aus seiner Kajüte kroch, die Augen voller Schlaf, nach dem er sich so sehr in der Nacht vergeblich gesehnt hatte. „Ich fülle den blöden Mast (im Original: „fucking mast“) jetzt mit Bauschaum aus. Dann ist endlich Ruhe.“

Um es vorweg zu nehmen: Er hat es nicht getan. Und das war auch gut so. In einer stürmischen Nacht, es hörte sich an, als ob der Mast Leo Tolstois 1650 Seiten dicken Wälzer ‚Krieg und Frieden‘ in die Welt hinausmorsen wollte, und an Schlaf natürlich wieder einmal nicht zu denken war, passierte das fast Unfassbare. Erst barst der altersschwache Luv-Festmacher von Marks Yacht, dann der in Lee. Wie ein Katapult sauste die Ketch, gezogen von der straff gespannten Mooring, aus der Box. Und legte sich sogleich quer im Hafen in den Wind. Es war, wie der Südafrikaner später stolz verkündete, sein bestes Ablegemanöver seit Ewigkeiten. Nicht ein Boot hatte er touchiert. Dabei lag er in der Koje, als die Leinen sich mit einem lauten Knall der Kraft des Windes ergaben. Weil Mark aber aufgrund des Mastläutens ohnehin nicht schlafen konnte, war er schon Sekunden später an Deck - und konnte die missliche Situation retten. 

 

Warum diese Anekdote? Ganz einfach: Alles hat anscheinend etwas Gutes! Und so kann ich auch meinem Burnout etwas Positives abgewinnen, ohne den ich den Schritt in ein neues Leben niemals gewagt hätte. Ich brauchte erst diesen einen heftigen Tritt in meinen Allerwertesten, um zu erkennen, dass sich etwas in meinem Leben ändern muss. Dass ich mich ändern muss.

Während ich das Vorwort zu diesem Buch schreibe, das in großen Teilen auf dem gleichnamigen Blog ‚Brambusch macht blau‘ und meinen Artikeln für das Onlinemagazin ‚float‘ basiert, in dem ich regelmäßig über mein Leben als Segelaussteiger berichte, braut sich draußen ein Sturm zusammen. In der Tat ist der Himmel mit Wolken verhangen, der stürmische Wind bläst kalte Luft aus dem immer noch schneebedeckten Taurusgebirge an die Küste. Das Barometer sinkt seit Tagen. Genauso wie die Stimmung. Es ist Anfang April und das Tief, das allen aufs Gemüt schlägt, heißt Corona. 

 

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